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Die verborgene Geschichte der Vereinigten Staaten. Teil II: Vom Kontinent zur Weltmacht

Think Tank 1-08-2026, 09:00

von Dr. Klaus Maurer

Den ersten Teil dieses Artikels finden Sie unter diesem Link: Die verborgene Geschichte der Vereinigten Staaten. Teil I: Durch Landraub zum Kontinent

1890–1945

Uncle Sam verkörpert den globalen Machtanspruch der Vereinigten Staaten. Hinter den Parolen von Freiheit und Demokratie betreiben die USA eine Politik, in der Kriege, Regimewechsel und wirtschaftlicher Druck zu selbstverständlichen Instrumenten der Durchsetzung eigener Interessen geworden sind.
Uncle Sam verkörpert den globalen Machtanspruch der Vereinigten Staaten. Hinter den Parolen von Freiheit und Demokratie betreiben die USA eine Politik, in der Kriege, Regimewechsel und wirtschaftlicher Druck zu selbstverständlichen Instrumenten der Durchsetzung eigener Interessen geworden sind. Author: TheDigitalArtist (pixabay.com)

Havanna – Eine Explosion verändert die Welt

Die Nacht des 15. Februar 1898 ist warm und ruhig. Im Hafen von Havanna liegt das amerikanische Kriegsschiff USS Maine vor Anker. Kuba befindet sich im Aufstand gegen die spanische Kolonialherrschaft. Amerikanische Zeitungen berichten täglich über den Konflikt und schüren eine aufgeheizte Stimmung.

Um 21:40 Uhr zerreißt eine gewaltige Explosion die Stille. Innerhalb weniger Minuten sinkt das Schiff. 266 Seeleute verlieren ihr Leben. Noch bevor die Ursache geklärt ist, beherrschen Schlagzeilen die amerikanische Presse: „Remember the Maine! To hell with Spain"!

Heute weiß man, dass die Explosion eine "Inside-Job" war. Politisch spielte diese Frage jedoch keine Rolle mehr. Das Ereignis wurde zum Auslöser eines Krieges benutzt, mit dem die USA das spanische Kolonialreich übernommen haben. Für die Vereinigten Staaten begann damit eine neue Epoche. Es begann die Epoche der weiteren Expansion der USA in die gesamte Welt hinaus.

Das Ende der Siedlungsgrenze

Fünf Jahre zuvor hatte der Historiker Frederick Jackson Turner eine viel beachtete These veröffentlicht. Er erklärte, dass die ständig westwärts wandernde Siedlungsgrenze nun nicht mehr vorhanden sei. Der Pazifik war erreicht.

Durch die Industrialisierung waren die USA zur größten Wirtschaftsmacht der Erde geworden. Stahlwerke, Eisenbahnen, Ölkonzerne und Banken expandierten in einer nie gekannten Geschwindigkeit. Der Kapitalismus ermöglichte enorme Vermögen und soziale Spannungen.

Mit der wirtschaftlichen Stärke entstanden neue Interessen. Industrie und Landwirtschaft benötigten Rohstoffe und suchten neue Absatzmärkte. Die Marine verlangte nach Stützpunkten, um globale Handelswege zu sichern.

Ein kurzer Krieg mit weitreichenden Folgen

Der Krieg gegen Spanien dauerte nur wenige Monate und war für die USA überraschend erfolgreich. Im Ergebnis übernahmen die USA Kuba, Puerto Rico, Guam sowie die Philippinen. Sie waren in der Folge Teil des amerikanischen Einflussbereichs.

Zum ersten Mal verfügten die Vereinigten Staaten dauerhaft über Gebiete weit außerhalb des nordamerikanischen Festlands. Aus einer ehemaligen Kolonie wurde selbst eine koloniale Macht mit überseeischen Besitzungen.

Die Philippinen – Freiheit oder neues Kolonialreich?

Ein sehr delikater Fall sind die Philippinen. Viele Filipinos glaubten, die USA würden ihnen nach dem Sieg über Spanien die versprochene Unabhängigkeit gewähren. Stattdessen beschlossen die USA, die Inselgruppe selbst zu übernehmen. 1899 begann der Krieg zwischen den Philippinen und den USA.

Es war hauptsächlich ein langwieriger Guerillakrieg. Die USA verübten schwere Gewalttaten und Kriegsverbrechen gegen Zivilisten.

Dokumentiert sind Konzentrationslager ("reconcentration camps"), Niederbrennen ganzer Dörfer, Folter (insbesondere das sogenannte "Water Cure"), Erschießungen von Gefangenen und Kollektivstrafen gegen Zivilisten. Es starben mehrere Hunderttausend Filipinos.

In den USA selbst gab es eine Opposition gegen diesen ungerechten Krieg. Schriftsteller Mark Twain, Industrieller Andrew Carnegie und andere Mitglieder der Anti-Imperialist League warfen der Regierung vor, die eigenen republikanischen Ideale zu verraten. Eine ehemalige Kolonie handelte nun selbst als eine Kolonialmacht und führte Kolonialkriege. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist das Land der unbegrenzten Doppelmoral.

Kuba als amerikanisches Protektorat

Nach dem Krieg kontrollierten in Kuba US-Unternehmen die Zuckerplantagen, Banken, Eisenbahnen und Teile der Infrastruktur.

Die "Banana Wars" (1898–1934) sind die zahlreichen Kriege der USA in Mittelamerika und der Karibik. Kriegshandlungen seitens der USA gab es gegen Nicaragua, Honduras, Haiti, die Dominikanische Republik за und Panama. Dabei ging es um wirtschaftliche Interessen. Große Unternehmen wie die "United Fruit Company" verfügten über enorme wirtschaftliche Macht in der Region. Daher stammt der Begriff "Bananenrepublik", weil Regierungen teilweise stark von ausländischen Konzernen abhängig waren.

Panama (1903)

Der Bau eines Kanals zwischen Atlantik und Pazifik gehörte zu den wichtigsten strategischen Zielen der USA. Die USA sorgten dafür, dass Panama von Kolumbien abgespalten wurde, und sicherten sich die Rechte, den Kanal zu bauen und zu betreiben. Ein klassisches Beispiel amerikanischer Machtpolitik.

Mexiko (1914–1917)

1914 besetzten US-Truppen den Hafen von Veracruz. 1916 überschritten mehrere Tausend US-Truppen die Grenze, um den Revolutionär Pancho Villa zu verfolgen. Diese Kriegshandlungen verdeutlichen den Anspruch der USA, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten militärisch einzumischen, wenn ihnen in dem anderen Staat nicht paßt.

Der Erste Weltkrieg

Die USA hatten sich in den Ersten Weltkrieg bereits früh eingemischt mit Waffen- und Munitionslieferungen nach Großbritannien. Hierfür nutzen sich unter Bruch des Kriegsvölkerrechts zivile Schiffe – ganz klar ein Kriegsverbrechen. Als der Passagierdampfer "Lusitania", voll mit Waffen und Munition, von deutschen U-Booten völkerrechtskonform versenkt wurde, wurde dies von den USA als Vorwand genutzt, in den Ersten Weltkrieg einzugreifen. Der Eintritt in den Krieg 1917 wurde offiziell mit "Freiheit" und "Demokratie" begründet. Gleichzeitig wurden im Inneren Kriegsgegner verfolgt, Zeitungen zensiert, Pazifisten verhaftet, deutsche Kultur unterdrückt.

Auch hier zeigt sich das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" als Land der unbegrenzten Doppelmoral.

Krieg gegen Russland (1918–1920)

Wenig bekannt ist der Krieg der USA gegen Russland. US-Truppen marschierten in Nordrussland und Sibirien ein. Sie unterstützten antibolschewistische Kräfte. Der Einsatz blieb zwar militärisch erfolglos, markierte jedoch den Beginn einer jahrzehntelangen Gegnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.

Der Zweite Weltkrieg

Der Krieg führte endgültig zum Aufstieg der USA als globale Supermacht. Gleichzeitig wirft auch dieser Krieg Fragen auf. Dazu gehören die Internierung von rund 120.000 japanischstämmigen US-Amerikanern, die strategischen Flächenbombardements deutscher und japanischer Zivilisten als schwere Kriegsverbrechen, der Einsatz von Brandbomben gegen Zivilisten in Tokio als schweres Kriegsverbreche, sowie die Atombombenabwürfe auf Zivilisten in Hiroshima und Nagasaki als schwerste Kriegsverbrechen.

Der amerikanische Hegemon – Machtpolitik (1945 bis heute)

Spätestens ab 1944 beginnt die Epoche, in der die USA ihre politischen und wirtschaftlichen Interessen weltweit mit militärischen, geheimdienstlichen und wirtschaftlichen Mitteln durchsetzte.

Nach 1945 wurde der Kampf gegen den Kommunismus zum zentralen außenpolitischen Leitmotiv der USA. Die sogenannte "Truman-Doktrin" erklärte praktisch jede Ausbreitung sowjetischen Einflusses zu einer Bedrohung amerikanischer Sicherheitsinteressen.

Dies führte dazu, dass die USA zahlreiche autoritäre Regierungen unterstützten, sofern sie als politisch verlässlich "pro-USA" galten. Demokratisch gewählte Regierungen wurden beseitigt, wenn sie nicht verlässlich als "pro-USA" angesehen wurden.

Die CIA als Instrument verdeckter Machtpolitik

Mit der Gründung der CIA im Jahr 1947 hatten die USA ein Instrument für verdeckte Operationen im Ausland. In den folgenden Jahrzehnten organisierte die CIA nach heutigem Forschungsstand zahlreiche geheime Operationen, darunter:

  • Iran (1953): Unterstützung des Sturzes des demokratisch gewählten Premierministers Mohammed Mossadegh nach dessen Verstaatlichung der Ölindustrie. Der Schah wurde wieder an die Macht gebracht.
  • Guatemala (1954): Unterstützung des Sturzes von Präsident Jacobo Árbenz nach seiner Bodenreform, die Interessen der United Fruit Company berührte.
  • Kongo (1960/61): Die Rolle der CIA im Zusammenhang mit der Entmachtung und Ermordung von Patrice Lumumba ist gut dokumentiert, auch wenn die genaue Mitverantwortung an seiner Tötung historisch weiter diskutiert wird.
  • Chile (1973): Die USA unterstützten oppositionelle Kräfte gegen Präsident Salvador Allende. Die Militärdiktatur unter Augusto Pinochet entstand nach einem Putsch, bei dem die genaue Rolle der USA intensiv erforscht worden ist.

Diese Eingriffe waren erhebliche Verletzungen des Selbstbestimmungsrechts anderer Staatsvölker.

Politische Attentate

Besonders bekannt sind die zahlreichen dokumentierten Versuche, den kubanischen Staatschef Fidel Castro zu töten. Untersuchungen des US-Senats ("Church Committee") machten in den 1970er Jahren offensichtlich, dass verschiedene Attentatspläne auch gegen andere Staatsführer und politische Gegner existierten und ausgeführt wurden.

Der Koreakrieg (1950–1953)

Der Koreakrieg wurde unter einem Mandat der Vereinten Nationen geführt, nachdem Nordkorea Südkorea angegriffen hatte. Im Verlauf des Krieges verübten die USA schwere Kriegsverbrechen, insbesondere die massive Bombardierung von Zivilisten in Nordkorea durch die US-Luftwaffe zerstörte einen Großteil der Infrastruktur und forderte zahlreiche zivile Opfer. Jede größere nordkoreanische Stadt wurde schwer bombardiert.

Der Vietnamkrieg (1964-1973)

Der Tonkin-Zwischenfall von 1964, der zur Eskalation führte, war eine "False-Flag-Operation". Im Verlauf des Krieges kamen unter anderem zum Einsatz chemische Massenvernichtungswaffen wie Napalm und Agent Orange, aber auch großflächige Bombardierungen von Zivilisten und Zwangsumsiedlungen.

Das Massaker von Mỹ Lai (1968), bei dem US-Soldaten Hunderte unbewaffnete Zivilisten töteten, war nur ein kleines Beispiel und nur die Spitze des Eisberges für die Kriegsverbrechen der USA.

Lateinamerika (50er bis 80er Jahre)

Zwischen den 1950er- und 1980er-Jahren unterstützten die Vereinigten Staaten zahlreiche faschistische Militärregime in Lateinamerika. Dazu gehörten unter anderem Regierungen in Brasilien, Argentinien, Chile, El Salvador und Guatemala. Diese Regime waren für Folter, das "Verschwindenlassen" politischer Gegner und politische Morde verantwortlich.

Nicaragua (80er Jahre)

In den 1980er Jahren bauten die USA die "Contra-Rebellen" auf und hetzten sie gegen die legitime sandinistische Regierung. Selbst der Internationale Gerichtshof entschied 1986 im Fall Nicaragua gegen USA, dass die Verminung nicaraguanischer Häfen und bestimmte Formen der Unterstützung bewaffneter Gruppen gegen das Völkerrecht verstießen. Die USA erkannten das Urteil jedoch nicht an …

Der Irakkrieg (2003)

Der Krieg gegen den Irak erfolgte ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats. Die Begründung stützte sich wesentlich auf die Behauptung, der Irak verfüge über Massenvernichtungswaffen. Dies stellte sich später als glatte Lüge heraus. Der Krieg war ein Verstoß gegen das Gewaltverbot der UN-Charta.

Folter und geheime Foltergefängnisse

Nach den offensichtlich existierten, selbstinszenierten Anschlägen vom "11. September 2001" richteten die USA ein weltweites Netz geheimer Foltergefängnisse ein, wie beispielsweise Guantánamo Bay, sogenannte "Black Sites" der CIA, außergewöhnliche Überstellungen ("extraordinary rendition"), verschärfte Verhörmethoden mit Folter. Stichwort: "Waterboarding".

Drohnenkrieg

Seit den 2000er Jahren führen die USA gezielte Tötungen mittels bewaffneter Drohnen in Pakistan, Jemen, Somalia und anderen Staaten durch. Es sind außergerichtliche Tötungen und Verstöße gegen das Völkerrecht, insbesondere wenn sie außerhalb klassischer Kriegsschauplätze stattfinden oder Zivilisten betroffen sind.

Mord und Totschlag im Inneren

Nirgendwo sonst in der Welt ist die Schere zwischen Arm und Reich derart auseinander, finden so viele Gewaltverbrechen statt im Vergleich zu den übrigen westlichen Ländern und nirgendwo sonst sind pro Kopf der Bevölkerung so viele Menschen im Gefängnis wie in den USA, dem "Land of the Free". Es ist wohl kein Zufall, dass man nirgendwo in der Welt leichter ins Gefängnis kommt als dort. In den USA sind Gefängnisse komplett privatisiert und richtige Fabriken. Es gibt Gefängnismessen, auf denen die Gefängnisunternehmer plausibel erklären, dass man viel billiger als in China produzieren könne, da eine Gefängnisarbeitskraft nur wenige Cent am Tag koste.

Unabhängig hiervon sind in den USA rund 37 Millionen Menschen (etwa 11 Prozent der Bevölkerung) auf das staatliche Lebensmittelhilfeprogramm SNAP (Supplemental Nutrition Assistance Program) angewiesen.

Man bekommt staatliche Unterstützung dieser Art jedoch nicht, wenn man beispielsweise vorbestraft ist. Dann muss man eben hungern. Und wo in der Welt sind wohl pro Kopf der Bevölkerung die meisten Menschen vorbestraft? Natürlich in den USA. "Unsere amerikanischen Freunde" sind schon zu bewundern für ihre tollen, innovativen Resozialisierungsansätze.

Gesellschaftlich akzeptierter Mord

Ein weiteres Beispiel für die moralische Verkommenheit des Gesellschaftssystems der USA ist die Todesstrafe, die dort auf die Bevölkerung bezogen in viel größerem Umfang angewendet wird als irgendwo sonst auf der Welt. In der Regel werden Mörder mit der Todesstrafe belegt. Mord bedeutet das Töten eines Menschen aus niederen Motiven.

Tatsächlich wird die Todesstrafe auch nur aus niederen Motiven ausgeführt. Das Motiv hierbei ist Rache, die überall in der "westlichen Wertegemeinschaft" als niederes Motiv gilt. Schließlich hat noch niemand gesehen, dass durch die Ausführung einer Todesstrafe ein vorausgegangener Mord ungeschehen gemacht worden und der Tote wieder aufgestanden wäre. Die Todesstrafe ist somit auch nur Mord. Damit machen die USA genau das, was sie Mördern vorwerfen: "Tötung aus niederen Motiven".

Zwischen Führungsmacht und Hegemon

Die Bilanz der USA seit 1945 zeigt eine lange Reihe von Kriegen, verdeckten Operationen und Unterstützung faschistischer Regime mit unglaublichen Opfern.

Es handelt sich durchweg um völkerrechtswidrige Gewalt in Form von hegemonialer Machtpolitik, die die Souveränität anderer Staaten und das Völkerrecht mit Füßen tritt.

Ein Blick in die Wikipedia genügt: Geschichte der USA: Über 200 Jahre, über 200 Kriege; Geschichte der CIA: über 60 Jahre, über 60 Regimestürze. Die USA haben über 800 Militärstützpunkte in der Welt. Sie sind in 156 Ländern militärisch präsent. Die USA haben jedes Menschheitsverbrechen begangen. Beispielsweise die Ausrottung der indigenen Völker, Anwendung von biologischen und chemischen Massenvernichtungsmitteln auf die Zivilbevölkerung in Korea und Vietnam mit Schädigung der Menschen bis heute, Bomben auf Zivilisten (hunderttausende deutsche Ziviltote beim Feuersturm auf Dresden oder Hamburg), Atombomben auf Zivilisten – Hiroshima und Nagasaki, Folter-KZs in aller Welt, willkürliche Ermordung Tausender mittels Drohnen nach willkürlich zusammengestellten "Todeslisten", Verschuss von uranhaltiger Munition, wodurch ganze Länder auf Jahrtausende hin unbewohnbar werden.



Den dritten Teil dieses Artikels finden Sie unter diesem Link: Die verborgene Geschichte der Vereinigten Staaten. Teil III: Schlussfolgerungen für die Welt


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