Auf unserer Website gibt es keine Cookies und keine Web-Analyse.
Wir sammeln grundsätzlich keine Daten über unsere Leser.

Das Ende der Orbán-Ära: Stimmen von rechts

Ein Prozent 17-04-2026, 18:11 Politik, Wahlen, Internationale Beziehungen


Nach der Wahlniederlage des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán fällt der Tenor der bundesdeutschen Leitmedien wenig überraschend aus. Doch wenigstens ein Aspekt ist spannend – nämlich die Behauptung, mit Orbán hätten die AfD und auch die „Neue Rechte“, das sogenannte Vorfeld also, eines ihrer Vorbilder „verloren“. Und mehr noch: Die Schlappe Orbáns beziehungsweise das „Warum“ dieser krachenden Niederlage sollen vorzeichnen, wie es auch der AfD bald ergehen könne. Ob da was dran ist?

Wir haben zwei unterschiedliche Stimmen aus dem rechten Vorfeld gesammelt und hier zentral zusammengetragen.

Da ist zum einen der Politikwissenschaftler Benedikt Kaiser, der nicht nur rege in Kreisen der deutschsprachigen patriotischen Opposition publiziert, sondern sich auch öfters in der ungarischen politischen Zeitschrift Kommentár zu Wort meldet. Er widmet sich in seinen aktuellen Kommentaren zur Wahlniederlage vor allem den außenpolitischen Schwerpunktsetzungen und Entscheidungen Orbáns. So schrieb er unter anderem:

„Zugleich war Orbáns metapolitische Kehre nicht erfolgreich, weil ein Zuviel an (US-ähnlichem) Kulturkampf und Fokus auf außenpolitisches Spektakel die ökonomischen und sozialethischen Fragen, das Primat der Alltagssorgen der Ungarn, verdrängte: Es mangelte also am Fokus auf die materielle Ebene, auf Brot-und-Butter-Themen, die (mit und nach Gramsci) mindestens so wichtig sind wie der Kampf um kulturelle Hegemonie.“

Und zuvor, noch deutlicher:

„Viele Rechtswähler haben in Ungarn keine Lust auf CPAC-Spektakel, Netanjahu-Anbindung und Vulgär-Trumpismus-Import. Ebenso wenig wie auf Moskau-Unterordnung. Nur: CPAC, MCC und Co. waren ja eben explizit und tiefgreifend transatlantisch ausgerichtet, inklusive abgespielter US-Hymne usw. Moskau sendet dagegen nicht einmal Redner nach Budapest.“

Natürlich spart auch Kaiser nicht an Kritik dessen, was es unter Orbán an tatsächlicher oder vermeintlicher Korruption gegeben zu haben scheint. Und auch er benennt ökonomische Themen als einen weiteren Grund der Niederlage. Der außenpolitische Fokus – übrigens genauso der ungarischen Opposition (Stichwort „Soros“) – ist ihm jedoch wichtig.

Der Übersetzer und Publizist Jörg Seidel, der selbst lange Jahre in Ungarn lebte, hat sich der Frage der Korruption besonders ausführlich angenommen. Auf seinem Blog schrieb er dazu:

„Intrinsische Gründe dafür gibt es genügend und sie haben ganz wesentlich zu seiner Niederlage beigetragen. Die Korruption an erster Stelle, die Propaganda an zweiter. Beide sind systemisch, haben den realen Orbánismus lange getragen und sich letztlich gegen ihn gewendet. […] Die Korruption in Ungarn ist systemisch – ich wiederhole das als Merksatz! Auch für das System Orbán war es die Nabelschnur.“

Seidel nennt hier einen Punkt, der in der Analyse oft ausgespart wird: die Propaganda. Dazu weiter:

„Während – nur als anekdotische Evidenz – den gestrigen Wahlkampf auf den regierungstreuen Kanälen M1Híradó und hír.tv nur wenige tausend Zuschauer verfolgten, klebten bei den oppositionellen Sendern Partizán und Telex jeweils 200 000 Leute an den Bildschirmen via YouTube. Seit Jahren wird das Staatsfernsehen von den meisten Ungarn ignoriert und lächerlich gemacht, so wie man sich in der DDR über die Aktuelle Kamera oder den Schwarzen Kanal erheiterte. Aber niemand schien die Diskrepanz in Regierungskreisen noch wahrnehmen zu wollen, stattdessen ergötzt man sich an den angeblichen Erfolgen.“

Gemessen an der Begeisterung für Orbán, die die deutschsprachigen Leitmedien dem rechten Vorfeld seit vielen Jahren nachsagen, gehen sowohl Kaiser als auch Seidel mit Orbán einigermaßen hart ins Gericht. Denn beide erkennen die Gründe für seine Wahlniederlage zu einem nicht geringen Teil in eigenen Fehlern – und eben nicht nur in der Sanktionspolitik der EU und dem schmutzigen Spiel des Westens. Kaiser betont in Richtung AfD:

„Zugleich ist Orbáns Spätphase aber eben auch eine Mahnung: Eine deutsche Rechtspartei darf von vornherein niemals auch nur den Eindruck entstehen lassen, dass sie selbst korrupte und kleptokratische Züge dulden würde. Eingreifen, bevor etwas außer Kontrolle gerät! Womöglich hat man in Ungarn genau diesen Zeitpunkt verpasst.“

Wie geht es in Ungarn nun weiter? Werden wir nach dem Ende des „Systems Orbán“ erleben, wie die erste – und letzte? – „illiberale Demokratie“ zu einem westlichen Staat einschließlich aller „freiheitlichen“ Segnungen wird? Steht wirklich das Ende einer rechten „kulturellen Hegemonie“ bevor? Oder wird Peter Magyar uns alle überraschen, Orbán gar rechts überholen?

Wir von „Ein Prozent“ werden diesen Fragen bald in einer Lagebesprechung nachgehen – und dabei auch aufdecken, welche internationalen NGOs hier ihre Finger im Spiel hatten …

https://www.einprozent.de/blog/strategie/das-ende-der-orban-aera-stimmen-von-rechts/3331

Related News

Die SSW-Kreistagsfraktion spricht sich deutlich gegen die Rückkehr zum Gebrauch des generischen Maskulinums innerhalb der Kreisverwaltung aus.

read more..

Strategieprozess zur zukünftigen strategischen Ausrichtung der Stadt Flensburg im Hinblick auf den Ausweis und Planung von Industrie- und Gewerbeflächen auf den Weg gebracht!

Im Ausschuss für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung wurde am 20.01.2026, der gemeinsame Antrag der Ratsfraktionen von CDU, SSW, SPD, sowie der FDiF beschlossen. Nur die drei Vertreter*innen der Ratsfraktion Bündnis 90/Grüne enthielten sich der Stimme. Das Linke Bündnis unterstützte ebenfalls die Beschlussvorlage.

read more..

„Energy-Drinks sind vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebt. So greifen 68% der 10- bis 18-Jährigen regelmäßig zu den Getränken. Und rund 17 Prozent von ihnen trinkt sogar über einen Liter pro Tag. Das sind erschreckende Zahlen, die Handlungsbedarf und Maßnahmen zum Gesundheitsschutz erforderlich machen.“

read more..

Zum Vandalismus am Mahnmal der Synagoge in Kiel erklärt der Vorsitzende der SSW-Landtagsfraktion, Christian Dirschauer:

Wer ein Mahnmal für eine zerstörte Synagoge schändet, tritt nicht nur Kerzen und Gedenkzeichen mit Füßen, sondern das Andenken an die jüdischen Menschen, die hier aus dem Stadtbild und aus dem Leben gelöscht wurden. Das ist nicht nur Sachbeschädigung, sondern ein Angriff auf unsere Erinnerungskultur und auf das Selbstverständnis unserer Gesellschaft.

read more..

Landesweite Aufklärung über Autonomiereform

Geprägt war das vergangene Jahr sicherlich durch das Für-und Wider der von Meloni und Kompatscher geplanten Autonomiereform, stellt SHB-Obmann Roland Lang in seinem Tätigkeitsbericht für das Vereinsjahr 2025 fest. Bereits im Frühjahr wurde nur von der SVP mit Rom verhandelt und für lange Zeit das Volk im Unklaren gelassen.

read more..

Zur Mai-Steuerschätzung und den angekündigten Belastungen für den Landeshaushalt erklärt der Vorsitzende und finanzpolitische Sprecher der SSW-Landtagsfraktion, Christian Dirschauer:

„Die wirtschaftliche Lage ist ernst. Die schwächere Konjunktur, internationale Krisen und die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus treffen Schleswig-Holstein spürbar. Die aktuellen Zahlen zeigen das deutlich.

read more..

BOZEN – Seit Montag, dem 26. Jänner 2026, hängen in ganz Südtirol an zahlreichen Bushaltestellen Plakate mit der Aufschrift „Grüß Gott in Tirol“. Die Aktion wird vom Südtiroler Schützenbund (SSB) gemeinsam mit dem Südtiroler Heimatbund (SHB) durchgeführt und richtet sich bewusst an Gäste aus aller Welt.

read more..

Bundeskanzler Merz hat den deutschen Startups Unterstützung zugesagt. Das reicht der Chefin des Startup-Verbandes nicht. Gemeinsam mit über hundert Unternehmen fordert sie von der Regierung Taten.

read more..

Meine Anfrage brachte ans Licht: 96 Todesfälle in Niedersachsen stehen in einem Zusammenhang mit der Impfung. Die Dimension anderer Impfschäden? Bis heute nicht absehbar. Lange wurde eine Aufarbeitung blockiert, echte Hilfe gab es kaum. Nun bringen die Regierungsfraktionen erstmals einen Antrag ein, der Bewegung in das Thema bringt.

read more..
33 Empfehlungen im Wortlaut: Das sind die wahren Pläne der Renten-Kommission

Über die umstrittensten Vorschläge der Rentenkommission wird bereits berichtet, vieles ist schon durchgesickert. Nun liegt erstmals die komplette Liste aller Empfehlungen vor. Nach Informationen des Handelsblatt umfasst der Abschlussbericht 33 Vorschläge für die Reform des Rentensystems. Die Ergebnisse sollen am Dienstag an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) übergeben werden.

Weiterlesen
Schuld ist „die Welt“: Merz‘ politische Bankrotterklärung am Tag der offenen Tür im Bundeskanzleramt

Wer verstehen will, wie inhaltsleer und desolat zugleich die deutsche Politik ist, sollte sich ein gerade von Friedrich Merz veröffentlichtes Video anschauen. Der Ausschnitt des vom Bundeskanzler auf der Plattform X veröffentlichten Videos geht 1 Minute und 29 Sekunden und stammt vom „Tag der offenen Tür“, der am Sonntag im Bundeskanzleramt stattfand. Leerformeln bauen auf Verharmlosungen und von auch nur halbwegs vernünftigen Ursachenanalysen fehlt jede Spur. Da gibt es eine „Welt“ und eine „Industrie“, die sich „verändern“ – ganz so, als ob Politiker und weitere konkret benennbare Personen nicht für diese Veränderungen verantwortlich wären. Merz liefert politische Dampfplauderei – substanzlos, aber zugleich gefährlich. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.

Weiterlesen
Armut als Herrschaftsinstrument – von Rom bis Radermacher

Im Jahr 2013 hielt der Ökonom Franz Josef Radermacher einen Vortrag, in dem er eine provokante These formulierte: Wenn genügend viele Menschen in Europa arm genug seien, dass sie im Wesentlichen keine Ressourcen mehr verbrauchen – also weder Auto fahren, im Winter heizen noch Fleisch konsumieren –, dann würden sich Energie- und Klimaprobleme scheinbar „von selbst“ lösen. Diese „Lösung“ sei zwar „nicht sozial- oder politikverträglich“, doch sie verdeutliche, wohin eine falsche Entwicklung führen könne: zu einer Gesellschaft mit fünf bis zehn Prozent Reichen, die ihren Wohlstand aufrechterhalten, weil es der Mehrheit schlecht geht. Radermacher warnte vor einer „Brasilianisierung Europas“ – einer Zweiklassengesellschaft, wie sie in vielen Regionen der Welt längst Realität ist.

Weiterlesen