Auf unserer Website gibt es keine Cookies und keine Web-Analyse.
Wir sammeln grundsätzlich keine Daten über unsere Leser.

Bessere Behandlungsmöglichkeiten bei Essstörungen!

Südschleswigsche Wählerverband 27-02-2026, 12:51 social, minorities

„Aufgrund der Komplexität einer Essstörung müssen Betroffene multiprofessionell und von echten Spezialisten beraten und behandelt werden. Aber eine Anlaufstelle, an der spezialisierte Ärzte, Therapeutinnen, Ökotrophologen und weitere Fachrichtungen ganzheitlich behandeln, gibt es gar nicht.“

Michael Schunck zu TOP 36 - Bericht zu Essstörungen in Schleswig-Holstein (Drs. 20/4089)

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Essstörungen gelten als relativ seltene Erkrankung. Nur 4-8% der Bevölkerung in Deutschland sind von Anorexie, Bulimie oder Binge-Eating betroffen. Allerdings leidet jede dritte Jugendliche, also 34 % der 14–17-Jährigen, unter einer dieser oft sehr schweren psychischen Störungen, die durch eine ganze Reihe komplexer Faktoren verursacht werden können. Neben genetischen und stoffwechselbedingten Ursachen sind vor allem psychische oder soziologische Gründe für die Auslösung einer Essstörung zu nennen. Dies macht eine individuelle Behandlung komplex und bedarf daher viel Geduld und Sensibilität für die betroffene Person. Je nach Schweregrad kann eine ambulante therapeutische oder tagesklinische Behandlung notwendig sein. In akuten Fällen sind sogar stationäre Aufenthalte nötig, um das Leben der Betroffenen buchstäblich zu retten.

Tatsache ist, dass die Komplexität von Essstörungen auch sehr komplexe Hilfsangebote erfordert, was im vorliegenden Bericht auch recht deutlich identifiziert worden ist. Aber auch wenn, wie mehrfach Im Bericht betont wird, es zahlenmäßig insgesamt nur wenige Menschen betrifft, halte ich die heutige Debatte zu diesem Thema für sehr wichtig. Denn, sind wir mal ehrlich, jede dritte Jugendliche ist nun wirklich kein Pappenstiel. Und leider bleibt trotz vieler Hilfsangebote gerade ihre Zahl seit vielen Jahren unverändert. Mehr noch, deutet einiges auf eine hohe Dunkelziffer hin, in der sich viele, oft junge Menschen an der Grenze zu einer Essstörung bewegen und damit aus dem Raster einer Diagnose herausfallen.

Vor diesem Hintergrund ist es, denke ich, dringend geboten, dass wir uns stärker mit dem Thema Essstörungen beschäftigen und hierfür die Politik und die Gesellschaft sensibilisieren.
Denn so ernst diese Erkrankungen auch sind: Wenn sie frühzeitig erkannt und behandelt werden, gibt es gute Heilungschancen.

So sinnvoll die Initiative der FDP war und so umfassend der Bericht auch ist, lässt sich feststellen, dass es trotz eines vielfältigen Angebots an konkreten Behandlungsmöglichkeiten fehlt. Auf 20 Seiten wird wirklich alles an Hilfestruktur aufgezählt, was auch nur ansatzweise für eine Behandlung infrage kommt. Von verschiedenen ärztlichen Fachgruppen und Therapeuten über voll- und teilstationäre Angebote, psychosoziale und offene psychische Hilfen bis hin zu Suchtberatung und Selbsthilfe. Das ist natürlich eine beeindruckende Angebotsvielfalt.

Was aber leider kaum deutlich wird, ist die Tatsache, dass viele diese Angebote nur begrenzt oder auch gar nicht zur Verfügung stehen. Denn wenn es um fachgerechte Beratung geht, müssen Menschen mit Essstörungen oft wochen- oder monatelang warten. Gleiches gilt für entsprechende Therapieplätze.
Und die im Bericht aufgeführten kommunalen Suchtberatungsstellen haben weit überwiegend einen ganz anderen Auftrag. Sie verweisen mangels Zuständigkeit zu Recht auf vereinzelte, spezialisierte Beratungsangebote. Die arbeiten aber auch schon dauerhaft an ihren Belastungsgrenzen.
Und ähnliches gilt für die aufgezählten Präventionsprojekte für junge Menschen: Denn die haben zwar im weitesten Sinne was mit psychischer Gesundheit zu tun und sind auch gut und richtig. Aber aus fachlicher Sicht gehört viel Fantasie dazu, um sie als zielgerichtete Maßnahmen zur Prävention von Essstörungen zu werten.

Denn, liebe Kolleginnen und Kollegen,

spätestens wenn wir das so wichtige familiäre Umfeld um Menschen mit Essstörungen in den Blick nehmen, wird es doch deutlich: Streng genommen gibt es kein Angebot, das sich explizit an Angehörige richtet. Prävention findet nicht wirklich zielgerichtet statt. Erkrankte mit Beratungs- oder Therapiebedarf müssen oft deutlich zu lange warten und mitunter über 100 Kilometer fahren, um versorgt zu werden. Noch dazu legen uns wissenschaftlichen Erkenntnisse eines besonders nahe: Aufgrund der Komplexität einer Essstörung müssen Betroffene multiprofessionell und von echten Spezialisten beraten und behandelt werden. Aber eine Anlaufstelle, an der spezialisierte Ärzte, Therapeutinnen, Ökotrophologen und weitere Fachrichtungen ganzheitlich behandeln, gibt es gar nicht. Auch entsprechende Netzwerke, die laut Expertenmeinung enorm wichtig sind, sucht man vergeblich.

Wenn wir auf die Gesamtsituation schauen, dann lässt sich klar sagen, dass wir noch weit von einer adäquaten Versorgung entfernt sind. Dabei gibt es ja all diese Fachleute mit ihren individuellen Expertisen. Und zu den Themen Multiprofessionalität und Vernetzung gibt es gute und kostengünstige Ideen. Was unter dem Strich bleibt, kann doch nur ein gemeinsamer politischer Wille sein, um eine effektivere Prävention und bessere Versorgung sicherzustellen, damit in Zukunft eben nicht mehr ein Drittel aller Jugendlichen potenziell von einer Essstörung betroffen sein werden. 

https://www.ssw.de/themen/bessere-behandlungsmoeglichkeiten-bei-essstoerungen

Related News

I anledning af den dansk-tyske fagkonference om Flensborg Fjords fremtid i Sønderborg har formanden for SSWs landdagsgruppe, Christian Dirschauer, rost det danske engagement i beskyttelsen af det fælles farvand og samtidig efterlyst større forpligtelse fra tysk side.

read more..

Selbst der Regionalplanentwurf bestätigt erhebliche Konflikte

Der geplante Windpark Paußnitz ist noch längst nicht entschieden. Nachdem der Stadtrat Strehla zunächst – nach erheblichen Bürgerprotesten – mehrheitlich dem Vorhaben das gemeindliche Einvernehmen versagte, liegt derzeit der Entwurf des neuen Sachlichen Teilregionalplans Energieversorgung/Windenergienutzung für die Region Oberes Elbtal/Osterzgebirge öffentlich aus. Bis einschließlich 6. Juli 2026 können Bürger Stellungnahmen abgeben und Einwände gegen die vorgesehenen Festlegungen erheben.

read more..

Der SSW hat heute einen Antrag in den Landtag eingebracht, der die Fortschreibung des bestehenden Theaterkonzepts für Schleswig-Holstein bis 2031 fordert und damit die Grundlage für eine verlässliche Zukunft der öffentlichen Bühnen schaffen soll.

read more..

Zur Entscheidung des Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgerichtes im Streit um die Kosten der Altlastensanierung am Wikingeck in Schleswig erklärt der SSW-Bundestagsabgeordnete Stefan Seidler:

"Gerichte entscheiden über Rechtsfragen, aber politische Verantwortung verschwindet dadurch nicht. Dass der Bund sich hier auf diese Weise aus der Verantwortung stiehlt, ist unerhört. Klar ist auch: Dieses Geld wird dem Kreis jetzt an anderer Stelle fehlen, mit absehbaren Folgen für die Region. Wer Kommunen strukturell unterfinanziert und sie bei akuten Problemen allein lässt, darf sich nicht wundern, wenn das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates schwindet. Für mich ist klar: So darf man mit Kommunen nicht umgehen."

read more..

STEGEN/BRUNECK – Die Kehrerbrücke in Stegen wird derzeit neu errichtet. An der bisherigen Brücke befanden sich faschistische Liktorenbündel – das zentrale Machtsymbol des italienischen Faschismus. Nun steht im Raum, dass dieses Symbol an der neuen Brücke erneut angebracht werden soll.

read more..

Die Landesregierung kann keine belastbaren Angaben zur tatsächlichen Nutzung und Wirkung des europäischen Arbeitsmarkt-Netzwerks EURES in Schleswig-Holstein machen. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage des SSW hervor. Weder liegen Zahlen zur Nutzung der Angebote vor noch können konkrete Vermittlungserfolge benannt werden.

read more..

ANTHOLZ – Erst kürzlich hatte sich Landeshauptmann Arno Kompatscher als „Retter“ des Namens Antholz auf der offiziellen Webseite der Olympischen Winterspiele 2026 präsentiert. Die Realität vor Ort zeigt jedoch ein ganz anderes Bild.

read more..

Der EU-Gipfel das Mercosur-Abkommen abgelehnt, das den Handel zwischen der EU und Südamerika stärken sollte. Dies Abkommen würde den Wettbewerb für europäische Landwirte verschärfen, da Agrarprodukte aus Südamerika günstiger werden. Die Freien Bayern fordern: Importierte Agrarprodukte müssen die gleichen Standards wie die unserer Bauern erfüllen. Ein fairer Wettbewerb ist entscheidend für eine sichere, heimische Lebensmittelproduktion. Wir brauchen unsere bayerischen Bauern!

read more..
33 Empfehlungen im Wortlaut: Das sind die wahren Pläne der Renten-Kommission

Über die umstrittensten Vorschläge der Rentenkommission wird bereits berichtet, vieles ist schon durchgesickert. Nun liegt erstmals die komplette Liste aller Empfehlungen vor. Nach Informationen des Handelsblatt umfasst der Abschlussbericht 33 Vorschläge für die Reform des Rentensystems. Die Ergebnisse sollen am Dienstag an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) übergeben werden.

Weiterlesen
Schuld ist „die Welt“: Merz‘ politische Bankrotterklärung am Tag der offenen Tür im Bundeskanzleramt

Wer verstehen will, wie inhaltsleer und desolat zugleich die deutsche Politik ist, sollte sich ein gerade von Friedrich Merz veröffentlichtes Video anschauen. Der Ausschnitt des vom Bundeskanzler auf der Plattform X veröffentlichten Videos geht 1 Minute und 29 Sekunden und stammt vom „Tag der offenen Tür“, der am Sonntag im Bundeskanzleramt stattfand. Leerformeln bauen auf Verharmlosungen und von auch nur halbwegs vernünftigen Ursachenanalysen fehlt jede Spur. Da gibt es eine „Welt“ und eine „Industrie“, die sich „verändern“ – ganz so, als ob Politiker und weitere konkret benennbare Personen nicht für diese Veränderungen verantwortlich wären. Merz liefert politische Dampfplauderei – substanzlos, aber zugleich gefährlich. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.

Weiterlesen
Armut als Herrschaftsinstrument – von Rom bis Radermacher

Im Jahr 2013 hielt der Ökonom Franz Josef Radermacher einen Vortrag, in dem er eine provokante These formulierte: Wenn genügend viele Menschen in Europa arm genug seien, dass sie im Wesentlichen keine Ressourcen mehr verbrauchen – also weder Auto fahren, im Winter heizen noch Fleisch konsumieren –, dann würden sich Energie- und Klimaprobleme scheinbar „von selbst“ lösen. Diese „Lösung“ sei zwar „nicht sozial- oder politikverträglich“, doch sie verdeutliche, wohin eine falsche Entwicklung führen könne: zu einer Gesellschaft mit fünf bis zehn Prozent Reichen, die ihren Wohlstand aufrechterhalten, weil es der Mehrheit schlecht geht. Radermacher warnte vor einer „Brasilianisierung Europas“ – einer Zweiklassengesellschaft, wie sie in vielen Regionen der Welt längst Realität ist.

Weiterlesen