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Längeres gemeinsames Lernen statt frühen Prüfungsstress
Südschleswigsche Wählerverband 27-02-2026, 08:47 social
„Als SSW sehen wir verbindliche Eignungsprüfungen skeptisch. Wir plädieren stattdessen für eine Stärkung aller Schulabschlüsse sowie für ein längeres gemeinsames Lernen nach dem Vorbild der dänischen Folkeskole, um den frühen Selektionsdruck von Kindern und Eltern zu nehmen.“
Jette Waldinger-Thiering zu TOP 24 - Für eine Eignungsprüfung bei fehlender Gymnasialempfehlung (Drs. 20/4105)
Der Übergang von der Grundschule an die weiterführenden Schulen ist ein hochsensibles Thema.
Wir alle kennen die gesellschaftliche Herausforderung: Es herrscht oft das Gefühl vor, dass jedes Kind unbedingt auf ein Gymnasium gehen müsse. Das Abitur gilt vielen Eltern als das einzig wahre Ziel, als „der goldene Standard“. Alles andere, so scheint es, zählt in der öffentlichen Wahrnehmung leider oft weniger.
Wir als SSW halten dagegen: Jedes Kind soll den höchstmöglichen Abschluss machen können, den es erreichen kann. Und Bildungschancen hängen nicht allein am Türschild „Gymnasium“. Auch ohne Gymnasialempfehlung gibt es zahlreiche Wege, die zu einem erfolgreichen und erfüllten Leben führen können. Grundsätzlich bieten alle Schularten Potenziale für erfolgreiche Bildungswege, weshalb wir auch weiterhin alle unterstützen und fördern sollten. Gerade im Nachklang zur aktuellen Schulabsentismus-Studie sollten wir festhalten: Jeder Abschluss zählt und ist für sich genommen etwas wert! Und aus jedem Abschluss kann man etwas machen, sei es ein früher Berufseinstieg oder über Umwege eben auch noch das Abitur.
Der Vorschlag mit verbindlichen Eignungsprüfungen für den Zugang zum Gymnasium, den die FDP hier nun unterbreitet, ist knifflig.
Ich erinnere mich, dass es vereinzelt so ähnliche Tests durchaus schon einmal gab – während meiner Schulzeit in den 70er Jahren gab es Aufnahmeprüfungen. Seitdem sind wir einen langen bildungspolitischen Weg gegangen. Inzwischen können sich Eltern recht unbegrenzt über die Lehrerempfehlung am Ende der vierten Klasse hinwegsetzen – und tun dies wie gesagt auch recht häufig. Auch dies ist schwierig.
Dennoch bleibe ich in Hinblick auf solche Eignungstests skeptisch. Wie soll so ein Test konzipiert sein? Was macht „Gymnasialtauglichkeit“ praktisch, intellektuell und im Sozialverhalten aus? Und wie führen wir diese Tests durch, ohne ein neues bürokratisches Monster zu erschaffen?
Eigentlich sollte das Zeugnis am Ende der Grundschulzeit ja ein aussagekräftiges Dokument sein. Die Lehrkräfte haben das Kind über vier Jahre lang beschult. Sie kennen die Stärken, die Schwächen und die Potenziale. Ich meine, sie können die Fertigkeiten eines Kinder daher weitaus besser einschätzen als ein punktueller Test.
Gleichzeitig hatte die Aufweichung der Lehrerempfehlung damals ja durchaus ihren Sinn. Es kann diverse Gründe geben, weshalb eine Gymnasialempfehlung nicht erteilt wurde. Wenn ein Kind in der Grundschule beispielsweise noch sehr schüchtern aufgetreten ist, aber eigentlich durchaus gymnasialtauglich ist, dann würden wir nicht wollen, dass hier ein Weg verbaut wird. Aber eine Eignungsprüfung? Das wäre immer nur eine Momentaufnahme eines Kindes, bei der fraglich ist, wie aussagekräftig sie für den weiteren Schulverlauf ist. Kinder in der vierten Klasse haben oft noch gar nicht gelernt, mit Prüfungsstress oder Versagensängsten umzugehen. Ein solcher Test ist daher nicht als „Heiliger Gral“ zur weiteren Schulsortierung zu sehen.
Fakt ist: Die Schulsortierung am Ende der vierten Klasse ist einfach sehr früh – diese Kritik vom SSW ist ja nicht neu. Wenn wir hier also wirklich nach einer sinnvolleren Lösung suchen wollen, dann sollten wir den Blick nach Norden richten. Sie kennen unseren SSW-Anspruch: Unser Ideal bleibt die dänische Folkeskole. Unsere Kinder sollten bis mindestens zur sechsten Klasse, lieber noch länger, gemeinsam lernen. Das würde den Druck von den Kindern und auch von den Eltern nehmen. Und die Erfahrungswerte der Folkeskole geben uns ja recht.
Wir erkennen an, was die FDP mit ihrem Antrag bezweckt: Sie will mehr Verlässlichkeit und Leistungsgerechtigkeit. Und dieses Thema ist durchaus richtig und wichtig. Aber ob eine verbindliche Eignungsprüfung der richtige Weg ist, da sind wir sehr vorsichtig. Wir würden dieses Thema daher gern noch einmal vertieft im Bildungsausschuss diskutieren.
https://www.ssw.de/themen/laengeres-gemeinsames-lernen-statt-fruehen-pruefungsstress
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