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„1 Million abgelehnte Asylanträge von Männern in Deutschland“
3-07-2026, 11:38 Migration
Bild: Screenshot aus Video
Im Umlauf ist die Aussage, es gebe rund eine Million abgelehnte Asylanträge von Männern in Deutschland – verbunden mit der Befürchtung, diese Personen zeigten keine Integrationsbereitschaft und würden im Fall einer zwangsweisen Ausweisung mit Gewalt reagieren. Ein Faktencheck muss zwei Dinge trennen: erstens die überprüfbare Zahlenbehauptung, zweitens die spekulative Gewaltprognose, die sich naturgemäß nicht „verifizieren“, sondern nur an vorliegenden Daten zu abgeschlossenen Fällen spiegeln lässt.
Seit dem dramatischen, von einigen Rechtswissenschaftlern behaupteten Verfassungsbruch 2015, als die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel die Grenzen öffnete und eine praktisch ungehinderte Migration ermöglichte, wuchsen die Spannungen. Inzwischen gibt es den so genannten Flüchtlingspakt und den so genannten Migrationspakt, angeblich unverbindlich, aber in EU-Gesetzen zunehmend umgesetzt. Und die Politik redet davon, dass Deutschland, dass die EU angeblich unbedingt Migration benötige, um die demografischen Probleme zu lösen.
Tatsächlich wird nur ein Bruchteil der nach Deutschland kommenden Hilfesuchenden als Flüchtlinge im Sinne des Grundgesetzes anerkannt. Aber dennoch wird nur ein Bruchteil gezwungen das Land zu verlassen. Dies betrifft insbesondere Männer im „wehrfähigen“ Alter. Diese zeigen in der öffentlichen Meinung wenig Interesse an Integration, dafür viel Interesse an Messer. Ein schwer auszuräumendes Vorurteil. Hinzu kommt, dass natürlich auch zahlreiche Straftäter unter ihnen sind, welche aus Angst vor Strafverfolgung nicht zurück in ihre Herkunftsländer gehen wollen. Ein Umstand, der der fehlenden Bereitschaft der deutschen Behörden zuzurechnen ist, strikte Personenüberprüfungen und Recherchen in Heimatländern durchzuführen.
Nun zu der Horrorzahl 1 Million junger Männer, die angeblich nur darauf warten, einen Bürgerkrieg zu beginnen.
Die Zahl: Was die amtliche Statistik zeigt
Die zentrale Kennzahl für Personen, die Deutschland nach einer rechtskräftigen Entscheidung verlassen müssen, ist die Statistik der „vollziehbar Ausreisepflichtigen“ im Ausländerzentralregister. Sie erfasst nicht nur abgelehnte Asylbewerber, sondern auch alle anderen Personen ohne gültigen Aufenthaltstitel, etwa Personen mit abgelaufenem Visum.
- Zum Stichtag 31. Dezember 2025 waren 232.067 Menschen in Deutschland ausreisepflichtig – das ist die aktuelle Gesamtzahl, nicht ansatzweise eine Million.
- Davon hatten rund 191.000 (ca. 82 Prozent) eine Duldung – ihre Abschiebung ist also aus rechtlichen, humanitären oder organisatorischen Gründen offiziell ausgesetzt, etwa fehlende Papiere oder Krankheit.
- Der Anteil abgelehnter Asylbewerber unter den Ausreisepflichtigen liegt bei knapp 60 Prozent – das entspricht rein rechnerisch rund 139.000 Personen, nicht einer Million, und ohne Geschlechtertrennung.
- 2025 wurden aus Deutschland 787 Menschen abgeschoben.
Auch die jährlichen BAMF-Ablehnungszahlen liegen weit unter der kursierenden Million: Im ersten Quartal 2026 wurden die Anträge von 31.727 Personen abgelehnt, im Februar 2026 waren es 21.447 laut BAMF, Asylzahlen März 2026.
Woher könnte die Zahl stammen?
Eine belastbare Quelle für „1 Million abgelehnte Asylanträge von Männern“ ließ sich nicht auffinden – auch keine journalistische Richtigstellung, die exakt diese Zahl referenziert. Plausibel ist eine Verwechslung mit deutlich größeren, aber sachlich anderen Kennziffern:
- Die Gesamtzahl der in Deutschland registrierten Schutzsuchenden aller Aufenthaltsstatus lag zum Jahresende 2025 bei rund 3,24 Millionen – das umfasst überwiegend Menschen mit Schutzstatus, nicht abgelehnte Bewerber.
- Die im Ausländerzentralregister insgesamt erfassten Ausländer beliefen sich Ende 2025 auf über 14 Millionen – eine Zahl, die mit Asylverfahren nichts zu tun hat.
- Denkbar ist auch eine Verwechslung von kumulierten Ablehnungen über mehrere Jahre (eine fortlaufend gezählte Summe seit etwa 2015) mit dem aktuellen Bestand ausreisepflichtiger Personen. Viele der historisch abgelehnten Antragsteller haben Deutschland inzwischen verlassen, einen anderen Aufenthaltstitel erhalten oder wurden eingebürgert – sie tauchen im aktuellen Bestand nicht mehr auf.
Der Geschlechteraspekt
Fakt ist: Unter Asylantragstellern sind Männer in der Mehrheit. Im laufenden Jahr 2026 stellten 57,2 Prozent der Antragsteller Männer, 42,8 Prozent Frauen. Das rechtfertigt jedoch nicht die Rede von „einer Million abgelehnter Männer“ – erstens, weil die absolute Grundzahl falsch ist, und zweitens, weil unter den Antragstellern auch ein erheblicher Kinderanteil liegt: 41,4 Prozent der Antragsteller 2026 waren unter 16 Jahre alt.
Die Gewaltbefürchtung: kein Fakt, sondern eine Prognose
Der zweite Teil der Behauptung – dass „diese Personen“ bei Zwangsausweisung „mit Gewalt reagieren“ würden – ist keine überprüfbare Tatsachenbehauptung, sondern eine pauschale Vorhersage über das Verhalten einer heterogenen Gruppe von über 200.000 Menschen. Belastbar sind nur Daten zu bereits eingetretenen Fällen von Widerstand:
- Nach einem Bericht über Bundespolizei-Statistiken (Bezugsjahr 2023) waren von 760 angesetzten Abschiebungen 31.330 nicht erfolgreich – aus ganz unterschiedlichen Gründen, etwa Untertauchen, fehlende Papiere oder gescheiterte Übernahme durch das Zielland, nicht nur Gewalt.
- In 040 Fällen setzte die Bundespolizei im selben Zeitraum körperliche Gewalt ein, um eine Abschiebung durchzusetzen – das zeigt, dass Widerstand vorkommt, aber auch, dass er eine kleine Minderheit der Fälle betrifft.
- Einzelfälle mit erheblicher Gewaltanwendung sind dokumentiert, etwa ein Vorfall am Flughafen Düsseldorf, bei dem ein Mann seine Abschiebung mit Gewalt verhinderte und zwei Polizisten verletzte (Bericht zum Vorfall). Solche Fälle sind real, belegen aber ein Einzelereignis – keine belastbare Grundlage, um daraus eine Verhaltensprognose für eine ganze Bevölkerungsgruppe von angeblich einer Million Menschen abzuleiten.
Journalistisch seriös lässt sich damit festhalten: Widerstand gegen Abschiebungen kommt vor und wird von Sicherheitsbehörden dokumentiert, bewegt sich aber – gemessen an der Gesamtzahl der Ausreisepflichtigen – im niedrigen einstelligen Prozentbereich der tatsächlich durchgeführten Abschiebeversuche. Eine pauschale Gewaltprognose für eine ganze, überwiegend gar nicht existierende Gruppe von „einer Million Männern“ ist empirisch nicht gedeckt.
Zusammenfassung
- Die Zahl „1 Million abgelehnte Asylanträge von Männern“ ist falsch. Die aktuell relevante Vergleichsgröße – vollziehbar ausreisepflichtige Personen insgesamt, unabhängig vom Geschlecht – lag Ende 2025 bei 232.067, davon rund 60 Prozent (ca. 139.000) abgelehnte Asylbewerber.
- Männer stellen zwar die Mehrheit der Asylanträge (57,2 Prozent 2026), doch das ändert nichts an der falschen Grundzahl und blendet den erheblichen Kinderanteil unter den Antragstellern aus.
- Die Gewaltbefürchtung ist keine Tatsachenbehauptung, sondern eine Prognose. Dokumentierte Widerstandsfälle existieren, betreffen aber nachweislich nur einen kleinen Teil der Abschiebeversuche – eine Verallgemeinerung auf eine ganze, zudem falsch bezifferte Gruppe ist nicht durch Daten gedeckt.
- Das bedeutet aber nicht, dass von diesem Personenkreis keine Gefahr ausgeht. Eine nie wirklich erfasste Zahl umfasst Straftäter, die in ihren Herkunftsländern auch Kapitalverbrechen begingen. Darunter so genannte „moderate Rebellen“ oder andere „Dissidenten“. Auf Grund der Weigerung der deutschen Politik, mit Herkunftsländern auf dem Gebiet der Strafverfolgung zusammen zu arbeiten, da man diese Länder als Staaten ansieht, deren System nicht den Ansprüchen einer „liberalen Demokratie“ entsprechen, und weil die Strafverfolgungsbehörden in diesem Bereich vollkommen unterbesetzt sind, wird sich das auch nicht so schnell verbessern.
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