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Das große Bot-Märchen und die Zerstückelung des Internets
16-10-2026, 11:17
von Thomas Oysmüller
Und weg sind sie: die Free-Palestine-Bots, die Impfgegner-Bots, die Trump-Bots, die Zionisten-Bots.
Das ukrainische Militär hat bekanntlich ein Yandex-Rechenzentrum angegriffen. Das ist durchaus mehr als eine Randnotiz im Drohnenkrieg. Was danach geschah, erzählt allerdings eine Menge über das Internet. Denn danach sollen die „feindlichen“ russischen Bot-Aktivitäten auf null gefallen sein. Beweise dafür gibt es keine. Und die Bots haben auch verschiedenste doppelte Persönlichkeiten.
Denn was die vernichteten Bots gewesen sein sollen, hängt ganz davon ab, auf welcher Seite man steht. Bist du für Palästina, dann waren plötzlich alle Zionisten-Bots verschwunden. Bist du Zionist? Dann waren alle Palästina-Bots verschwunden. Offenbar sind die Bots ziemlich schizophren…
Wenn du Anti-Zionist bist, unterstützten sie Israel.
Wenn du Zionist bist, unterstützten sie „Free Palestine“.
Wenn du Demokrat bist, verbreiteten sie MAGA-Sprech.
Wenn du links bist, förderten sie die „extreme Rechte“.
Das sagt mehr über das Internet als über russische Bots. Für viele Menschen sind „Bots“ mittlerweile alle, die eine andere Meinung als man selbst haben. Selenskyj fasste die Lage so zusammen: „Auf vielen sozialen Plattformen wurde es plötzlich etwas leichter zu atmen. Weniger Hass, weniger Spaltung und weniger Provokationen.“ Und irgendein Diagramm mit einer abfallenden Linie bestätigt das auch noch. Man selbst hat mit allem recht, alle anderen liegen falsch.
TKP hat bereits diese Woche berichtet, dass es keinerlei Belege für das Ende der russischen Bots gab. Doch es wird einfach behauptet, und das reicht. Es passt, dass fast zeitgleich behauptet wird, dass Russland versucht habe, das Brexit-Referendum 2016 zu beeinflussen. Soll das Ergebnis also rückgängig gemacht werden?
Wann wird uns eigentlich erklärt werden, dass die AfD nicht von echten Menschen gewählt wird, sondern von Bots? In Sachsen-Anhalt leben Menschen, keine Bots. Zumindest noch.
Bevor man uns alle durch Bots ersetzt, wird noch eine andere Lösung präsentiert werden, um uns vor der feindlichen Vlad-Bot-Armee zu schützen: digitale ID.
Vielleicht wird die Angst vor der Bot-Armee aber auch anders genützt. Der Off-Guardian dazu:
Oder vielleicht sollten wir das Internet aufteilen …Niemand sagt das – noch nicht. Aber genau solche Geschichten legen den Grundstein dafür. Wartet nur ab.
Nichts davon wird wirklich darum gehen, irgendeine Apokalypse zu vermeiden.
Es geht um Kompartimentierung. Um das Kappen von Kommunikationslinien.
Kleine Unternehmen oder persönliche Websites zu betreiben, wird generell teurer, weil die „Rechenzentrumssteuer“ an die Hosting-Anbieter weitergereicht wird.
Ähnlich wie die „Zuckersteuer“ auf Limonaden und Snacks in Großbritannien wird diese Steuer formal von den Anbietern gezahlt, aber über höhere Preise an die Kunden weitergegeben.
Große Konzerne können sich die Aufschläge leicht leisten, kleinere unabhängige Seiten spüren sie deutlich.
Es wird günstiger, bei Unternehmens-Resellern mitzuhosten – dafür muss man aber Verträge unterschreiben, keine „Desinformation“ zu veröffentlichen, und wieder einen Menschlichkeitsnachweis erbringen.
Wenn du eine Website betreibst, liegt deine Rechenzentrums-Nutzungssteuer vielleicht bei 0,04 pro lokalem Besucher, aber bei 0,10 pro internationalem – weil die Datenübertragung weiter weg rechenintensiver ist.Du bekommst Rabatte, wenn du einen „nur lokal“-Server nutzt, der nur für Personen in deinem Heimatland/Region/Block zugänglich ist.
Automatische Übersetzung, so wird man uns erzählen, belastet die KI besonders stark. Deshalb wird es zunehmend günstiger, nur in der eigenen Muttersprache zu veröffentlichen
.Ob irgendetwas davon stimmt, spielt keine Rolle. Sie werden es einfach behaupten, wie immer.
In den sozialen Medien gilt: Je mehr Follower du hast, desto mehr Daten verbrauchst du. Ab einem gewissen Punkt musst du entweder zahlen, um deine Follower zu behalten, oder pro Beitrag zahlen, damit sie ihn überhaupt sehen.
Natürlich gelten diese Einschränkungen nicht für etablierte Medien wie BBC, CNN und ihresgleichen. Die werden ausgenommen, weil sie zum „wesentlichen Informationsverteilungsnetz“ gehören.
Und die ganze Zeit wird die Angst vor „abtrünniger KI“ im Hintergrund lauern, jederzeit abrufbar. Eine digitale Pandemie, die sich – wie Covid – per digitaler Version der „Testprotokolle“ beliebig starten und stoppen lässt.
Kill-Switches und „digitale Brandschneisen“, die angeblich installiert wurden, um „abtrünnige“ KI-Agenten zu isolieren, ermöglichen es, jede anti-establishment-Meinung oder Information, die ein größeres Publikum erreicht, blitzschnell abzuschotten.
Ein unabhängiger Nachrichten-YouTube-Kanal bekommt viele Aufrufe? Oh nein, er wurde als KI gemeldet und bis zur Untersuchung gesperrt!
Eine alternative Medien-Website bekommt viele Aufrufe? Oh nein, der Server, auf dem sie liegt, wurde von KI kompromittiert und muss vorübergehend isoliert werden!
Wieder gilt: Kein einziges Wort davon muss stimmen. Sie werden es einfach behaupten. So wie sie inzwischen alles einfach behaupten.
Und das eigentliche Bonbon: Es spielt keine Rolle, ob der globale Internetverkehr wirklich sinkt oder die Nutzung von Rechenzentren tatsächlich zurückgeht. Sie werden wahrscheinlich gar nicht nachprüfen. Die echten Zahlen zählen nicht.– „Abtrünnige KI ‚Regulierung‘ – ein potenzielles Worst-Case-Szenario“„Russische Bots“ sind dafür perfekt geeignet: Sie verbinden „KI böse“ mit „Russland böse“ und „Desinformation böse“ zu einem handlichen Agenda-Cocktail. Wie Mary Poppins’ Medizin – jeder bekommt den Geschmack, den er will.
Genau die Art von absurder Geschichte, mit der man diesen Prozess irgendwann rechtfertigen kann.
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