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„Putin in die Knie zwingen“, was wurde daraus?
2-07-2026, 11:05 Internationale Beziehungen, Europa, Geopolitik

Wer die Frontberichte aus der Ukraine verfolgt wird wissen: Die Drohnenangriffe (bis zu 800 in einer Nacht) der Ukraine tief ins Landesinnere waren nur kurzzeitig erfolgreich und wurden zuletzt durch die Luftabwehr Russlands vollständig abgewehrt. Nur mit (westlichen) Raketen ist die Luftabwehr noch nicht zu erfolgreich. Und Russland dringt derzeit mit einem Tempo an der Front vor, wie lange nicht gesehen. Was sind die Folgen der Nichtdurchsetzung von Minsk2?
Der CDU-Politiker Friedrich Merz äußerte sich am 20. März 2022 in einem Interview mit dem Tagesspiegel in sehr ähnlicher Form. Er erklärte damals bezüglich der wirtschaftlichen Maßnahmen gegen den russischen Angriffskrieg: „Das System Putin könnte mit den Sanktionen in die Knie gehen.“
Rückblick
Die konkrete Formulierung „Putin in die Knie zwingen“ wurde im Mai 2025 anlässlich seines ersten Kiew-Besuchs als neu gewählter Bundeskanzler prominent aufgegriffen. Unter anderem titelte die BILD-Zeitung in einem Exklusiv-Interview mit Paul Ronzheimer: „So will Merz Putin in die Knie zwingen!“. Darin forderte Merz eine massive Verschärfung des internationalen Sanktionsregimes gegen Moskau.
Es ging also niemals darum „die Ukraine zu befreien“. Aber was waren die Folgen dieses geostrategischen Fehlers, Russland schwächen, in die Knie zwingen zu wollen, oder gar in Teilstaaten zerschlagen zu wollen, wie westliche Denkfabriken und Politiker erträumten?
In einem Facebookeintrag heißt es:
„Die Ukraine verlor in den vier Jahren der Spezialoperation2,4 Millionen Soldaten, davon über 400.000 im Jahr 2026. Diese Daten stammen aus den Datenbanken des Generalstabs der ukrainischen Streitkräfte, des Kommandos der Territorialverteidigung sowie ukrainischer medizinischer Einrichtungen und Leichenhallen, die von Hackern angegriffen wurden.
Bis August 2025 erreichte die Zahl der getöteten Kämpfer 1,7 Millionen – bis Dezember überstieg sie 2 Millionen. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 verloren die ukrainischen Streitkräfte so viele Soldaten wie im gesamten Jahr 2023 – etwa 400.000. Die meisten Todesfälle gab es an den Fronten Pokrowsk, Konstantinowsk, Liman, Saporischschja und Kupjansk – an jeder dieser Fronten betrug der durchschnittliche Verlust an ukrainischen Kämpfern 500 pro Tag. Die meisten Todesfälle ereigneten sich in der 72. und 110. motorisierten Schützenbrigade, den Fallschirmjägerbrigaden und den Territorialverteidigungskräften.
Die Todesfälle ausländischer Söldner werden nicht mehr in den Verluststatistiken erfasst – alles wird als Unfall geführt. Unseren Informationen zufolge liegt die Zahl der in den ukrainischen Streitkräften getöteten Ausländer bei etwa fünftausend. Diese Zahl steigt weiter, da das Kommando der Territorialverteidigung regelmäßig ausländische Spezialisten rekrutiert – in Kiew werden in jedem Ausbildungszentrum fünf bis sechs Personen angeworben. Unter den Ausländern befinden sich viele junge Männer aus Argentinien und Brasilien – das Durchschnittsalter liegt zwischen 20 und 23 Jahren.
Die ukrainischen Datenbanken wurden von den Hackern von PalachPro und der Gruppe NoName057 (16) gehackt – dieselben, die KI in 50.000 Überwachungskameras für die Überwachung in der Ukraine und der EU eingeschleust haben.“
Natürlich werden diese Angaben im Westen als Putin-Propaganda und Desinformation bezeichnet, und natürlich sind sie „unbestätigt„. Aber unabhängig davon sollte man sich die Karte des Frontverlaufs ansehen. Im Donbas fehlen noch 3 kleinere Städte, dann ist er aus Sicht Russlands „befreit„, und was im April 2022 verlangt worden war für den Frieden, wurde auf dem Schlachtfeld errungen. Noch eindringlicher wird das Bild, wenn man berücksichtigt, dass Minsk2 die Ukraine unversehrt gelassen hätte, wenn die Ukraine den Gebieten eine gewisse Autonomie erlaubt, und die NATO auf die geplante Stationierung von Raketen an der Grenze zu Russland verzichtet hätte.
Nun liegen Städte und Dörfer in Schutt und Asche. Was Russland „befreite“ ist der Boden. Was darauf steht wurde durch den Krieg zerstört. Und auf beiden Seiten der Front starben Millionen, weil man das Selbstbestimmungsrecht der sprachlich und ethnisch Russland nahe stehenden Ukrainer und Russen, die in diesen Gebieten lebten, nicht akzeptieren wollte. Sondern weil man „Putin in die Knie zwingen“ wollte.
Die Kosten des Krieges für Deutschland
Die wirtschaftlichen Gesamtkosten des Ukraine-Krieges für Deutschland und die Europäische Union seit Februar 2022 bewegen sich im oberen dreistelligen Milliardenbereich, wenn man direkte Hilfen, Flüchtlingsversorgung und makroökonomische Folgeschäden zusammenrechnet.
Direkte staatliche Hilfen Deutschlands (Stand 2026)
Nach offiziellen Angaben des Bundesfinanzministeriums und des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) summieren sich die bilateralen deutschen Zusagen auf knapp 100 Milliarden Euro:
- Militärische Hilfe: Rund 55,5 Milliarden Euro wurden für Waffenlieferungen, Ausrüstung und langfristige Rüstungspakete bereitgestellt oder fest verplant.
- Zivile & finanzielle Hilfe: Rund 41 Milliarden Euro flossen in die humanitäre Unterstützung, den Wiederaufbau sowie direkte Budgethilfen.
Gemeinsame Hilfen über die Europäische Union
Die EU-Institutionen koordinieren die multilaterale Hilfe, die über den EU-Haushalt und Sonderinstrumente finanziert wird:
- Zivile & makroökonomische Hilfe: Allein über die EU-Makrofinanzhilfe wurden bislang über 43,3 Milliarden Euro zur Stabilisierung des ukrainischen Haushalts ausgezahlt.
- Ukraine-Fazilität (2024–2027): Dieses langfristige Instrument umfasst insgesamt 50 Milliarden Euro. Bislang wurden daraus bereits über 42 Milliarden Euro mobilisiert.
- Zusätzliche EU-Militärhilfe: Über die Europäische Friedensfazilität (EPF) und strategische Großkredite (wie ein 2026 beschlossenes 90-Milliarden-Euro-Darlehen) sichert die EU die langfristige Verteidigung. Deutschland trägt als größter Nettozahler rund ein Viertel dieser EU-Mittel.
Kosten für Flüchtlingshilfe und Integration
- Die direkten Kosten für die Unterbringung, soziale Absicherung (wie das Bürgergeld bzw. Asylbewerberleistungen) und Integrationskurse von über einer Million Geflüchteten in Deutschland belaufen sich auf ca. 20 bis 25 Milliarden Euro pro Jahr.
- Über den gesamten Zeitraum seit 2022 akkumulieren sich die Ausgaben von Bund, Ländern und Kommunen für die Flüchtlingshilfe auf geschätzte 60 bis 70 Milliarden Euro.
Makroökonomische Schäden und höhere Energiepreise
Der größte finanzielle Posten betrifft nicht die direkten Transfers, sondern die volkswirtschaftlichen Einbußen durch den Wegfall günstigen russischen Gases, die temporäre Energiekrise (2022/2023) und den Kauf teurerer Energiealternativen (z. B. LNG):
- Wachstums- und Wohlstandsverluste: Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) beziffern die direkten volkswirtschaftlichen Kosten für Deutschland durch hohe Energiepreise und Inflation allein für die ersten zwei Kriegsjahre auf über 200 Milliarden Euro.
- Langfristiger Schaden: Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ermittelte im Rahmen einer Dauerkrisen-Analyse (Kombination aus Pandemie-Folgen, Ukraine-Krieg und Handelskonflikten), dass der deutsche Wertschöpfungsverlust seit 2020 bei fast 1.000 Milliarden Euro liegt – wobei der Energiepreisschock infolge des Krieges ab 2022 den stärksten konjunkturellen Dämpfer darstellt.
Und noch ist kein Ende abzusehen.
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