Auf unserer Website gibt es keine Cookies und keine Web-Analyse.
Wir sammeln grundsätzlich keine Daten über unsere Leser.

Energiepreise im zeitlichen und internationalen Vergleich: Wo steht Deutschland?

30-07-2026, 09:01

Die Empirie zeigt: Es besteht ein deutlicher positiver Zusammenhang zwischen Wohlstand und Energieverbrauch. D. h. mit steigendem Wohlstand (ver)braucht ein Wirtschaftsraum mehr Energie. Grund genug, in der aktuellen Wachstumsschwäche Deutschlands zu untersuchen: Sind die Energiepreise in Deutschland im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig? Diese und andere Fragen beantwortet Prof. Dr. Manuel Frondel von der Ruhr-Universität Bochum (RUB) im Rahmen einer Studie, die von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in Auftrag gegeben wurde.


Die wichtigsten Erkenntnisse in 30 Sekunden

  • Deutschland hat hohe Stromkosten – aber vor allem hohe Gaspreis. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass deutsche Industrieunternehmen für Erdgas etwa das Fünffache dessen zahlen, was Unternehmen in den USA, Kanada oder Mexiko zahlen. Dieser Nachteil sei auf absehbare Zeit strukturell, und daher kaum zu beseitigen.
  • Beim Strom liegt Deutschland über dem EU-Durchschnitt, aber nicht völlig isoliert. Deutschland liegt 2025 bei großen Industrieverbrauchern mit rund 14 Cent/kWh; der EU-Durchschnitt liegt bei etwa 12 Cent. Frankreich und Spanien sind aber deutlich günstiger.
  • Der deutsche Sondernachteil sind Netzentgelte und Umlagen. Deutsche Industriebetriebe zahlen die höchsten Netzentgelte Europas. Zudem sind staatlich verursachte Preisbestandteile – Steuern, Umlagen und Abgaben – deutlich höher als in fast allen Vergleichsländern (einzige Ausnahme ist Polen).
  • Die Energiewende könnte die Netzkosten massiv erhöhen. Die Studie verweist auf Schätzungen von bis zu 730 Milliarden Euro Netzausbaukosten bis 2045 und warnt vor einer möglichen Verdreifachung der industriellen Netzentgelte.
  • Die Studie empfiehlt kurzfristig eine Finanzierung von staatlichen Interventionen wie Netzbau oder KWK-Förderung über Steuern statt über Strompreise sowie mittel- bis langfristig eine technologieoffene Ausweitung des Stromangebots

Kernaussagen zur Energiepreisbelastung

1. Strompreise setzen sich aus Kosten für Erzeugung und Vertrieb, Netzentgelten und Steuern, Abgaben sowie Umlagen zusammen – insbesondere Netzentgelte und Steuern/Abgaben/Umlagen sind in Deutschland überdurchschnittlich hoch

Die Kosten für Erzeugung und Vertrieb werden z.B. von Angebot und Nachfrage, den Kosten der verwendeten Brennstoffe, aber auch von geopolitischen Rahmenbedingungen wie dem aktuellen Konflikt zwischen dem Iran und den USA beeinflusst. Netzentgelte werden von Netzbetreibern für die Nutzung ihrer Stromnetze erhoben. Die stromintensivsten Unternehmen in Deutschland verzeichnen unter allen EU-Mitgliedstaaten die höchsten Netzentgelte: Mit knapp 3 Cent sind sie beinahe doppelt so hoch wie der EU-Durchschnitt von 1,73 Cent (Abbildung 3) und dürften infolge des weiteren Ausbaus der Erneuerbaren noch weiter steigen – bis auf das Dreifache für die Industrieunternehmen. Steuern, Abgaben und Umlagen unterliegen der staatlichen Regulierung. Dazu zählen etwa die Stromsteuer, aber auch die KWK-Umlage zur Förderung der Kraftwärmekopplung oder die Offshore-Umlage zur Finanzierung des Netzausbaus vor deutschen Küsten. Auch der Anteil an Steuern, Umlagen und Abgaben am Strompreis ist in Deutschland trotz Sondervergünstigungen bei der Stromsteuer für die energieintensive Industrie erheblich größer als in den meisten EU-Mitgliedstaaten. Diese Kostenkomponente ist in anderen Ländern aufgrund von Subventionen oder Preisdeckeln mit Ausnahme von Polen geringer.

2. Der Industriestrompreis in Deutschland ist im europäischen Vergleich überdurchschnittlich

Deutschland lag in der zweithöchsten Verbrauchskategorie mit etwa 14 Cent im Jahr 2025 etwas über dem EU27-Durchschnitt von 12 Cent, weist aber deutlich höhere Industriestrompreise auf als andere große Industrienationen wie Frankreich (8 Cent) und Spanien (10 Cent). Ein Grund dafür sind die vergleichsweise höheren staatlichen Abgaben in Deutschland. Doch auch Österreich sowie eine Reihe osteuropäischer Staaten wie zum Beispiel Ungarn, Polen und die Slowakei weisen überdurchschnittlich hohe Strompreise in der höchsten Verbrauchskategorie auf, während Frankreich sowie die skandinavischen Länder Norwegen, Schweden und Finnland besonders günstige Strompreise aufweisen. Auch der Vergleich bei der höchsten Verbrauchskategorie zeigt einen ähnlichen Befund (Abbildung 2), auch wenn stromintensive Unternehmen in der Regel von besonderen Vergünstigungen profitieren.

3. Deutschland und die EU-27 haben im globalen Vergleich überdurchschnittlich hohe Strompreise für industrielle Verbraucher

Im Jahr 2024 lagen die gemittelten Industriestrompreise der beiden höchsten Verbrauchskategorien in Deutschland bei rund 13 Cent und in der EU-27 bei rund 11 Cent, während sie in Kanada und den USA (rund 8 Cent) sowie in China (9 Cent) deutlich niedriger waren (Abbildung 5) – dies sollte jedoch nur als eine Annäherung an einen Vergleich verstanden werden. Wegen unterschiedlicher Datenquellen und Definitionen sind diese Werte jedoch nur eingeschränkt vergleichbar. Zudem ist ein Vergleich nur für 2024 möglich, da aktuellere Werte für 2025 teilweise noch fehlen.

4. Steuern und Umlagen auf Erdgas in Deutschland im europäischen Vergleich überdurchschnittlich

Zwar ist die staatlich bedingte Belastung durch Steuern, Abgaben und Umlagen beim Gaspreis in Deutschland wie in vielen anderen Ländern geringer. Gleichzeitig macht sie beim Gaspreis, den die energieintensivsten Unternehmen in Deutschland zu bezahlen hatten, einen größeren Anteil aus als in vielen anderen europäischen Ländern. Dazu trugen die Energiesteuer für Erdgas, die Gasspeicherumlage, die ab dem 1. Januar 2026 entfallen ist, sowie die nationale CO2-Bepreisung fossiler Brenn- und Kraftstoffe zum Zwecke des Klimaschutzes bei. Die CO2-Bepreisung von Erdgas lag infolge des auf 55 Euro je Tonne festgesetzten CO2-Preises bei 1,19 Cent je Kilowattstunde, die Energiesteuer auf Erdgas betrug 0,55 Cent. Die Gasspeicherumlage betrug im Jahr 2025 knapp 0,3 Cent. Somit summierten sich die Steuern und Umlagen auf Erdgas theoretisch auf rund 2 Cent, etwas höher als die energieintensivsten Unternehmen laut Abbildung 6 mit im Mittel 1,9 Cent entrichtet haben.

5. Gaspreise in Europa sind recht homogen

Die Gaspreise, die deutsche Unternehmen mit dem höchsten Gasverbrauch im Jahr 2025 bezahlten, liegen durchschnittlich nur leicht höher als im EU27-Durchschnitt: 4,7 Cent für die Kilowattstunde Erdgas (ohne MwSt.) im Vergleich zu 4,5 Cent. Die Gaspreise für die Unternehmen mit dem höchsten Gasverbrauch variieren im europäischen Vergleich deutlich weniger als die entsprechenden Strompreise. Bemerkenswert ist zudem, dass in vielen europäischen Ländern die entsprechenden Gaspreise leicht höher sind als in Deutschland, zum Beispiel in Österreich, Italien, Tschechien und Ungarn. Erheblich geringere Gaspreise als in Deutschland gibt es lediglich in einigen wenigen Ländern wie Rumänien und der Türkei. In Schweden und Finnland müssen energieintensive Unternehmen deutlich höhere Preise bezahlen. Für Unternehmen der zweithöchsten Verbrauchskategorie ergibt sich ein recht ähnliches Bild. Allerdings sind sowohl das Preisniveau als auch die Heterogenität der Gaspreise etwas höher als im Fall der gasintensivsten Unternehmen.

6. Gaspreise nicht konkurrenzfähig im Vergleich zu Nordamerika – Fracking als eine Option für die Versorgungssicherheit

Die Gaspreise für energieintensive Unternehmen in Deutschland und Europa liegen um ein Vielfaches höher als für Unternehmen, die in Nordamerika ihren Sitz haben, während sich die Gaspreise für Unternehmen in Asien, insbesondere China und Japan, etwa auf vergleichbarem Niveau befinden. So hatten Unternehmen in Kanada und den USA wegen des dortigen Gasreichtums im Jahr 2024 lediglich rund 1 Cent pro Kilowattstunde Erdgas zu bezahlen. Unternehmen in der Europäischen Union und in Deutschland hatten hingegen etwa den fünffachen Preis und mehr zu zahlen (Abbildung 6). Dies liegt weniger an klimapolitischen Maßnahmen als an den großen Gasvorkommen in Nordamerika. Vor allem infolge der Gas-Gewinnung durch Fracking sind die USA in etwas mehr als einem Jahrzehnt zum weltweit größten Gasförderland aufgestiegen. Die daraus resultierenden Preisunterschiede sind durch eigene Gasförderung in Europa nicht auszugleichen. Vor dem Hintergrund des Importstopps aus Russland wäre eine eigene Gasförderung durch Fracking hingegen eine Option, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

7. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu erhöhen, sollten staatlich bedingte Bestandteile des Strompreises genauso reduziert werden wie die Stromerzeugungskosten durch technologieoffene Ausweitung des Stromangebots

Der Umstieg auf Erneuerbare Energien sowie der angekündigte Verzicht auf russisches Gas bis Ende 2027 werden die Strompreise weiter steigen lassen. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, die staatlich bedingten Stromkostenkomponenten genauso zu senken wie die Stromerzeugungskosten. Kurzfristig sollten dazu sämtliche Abgaben und Umlagen auf Strom aus dem Klima- und Transformationsfonds finanziert werden, das heißt aus Steuermitteln – entspringen sie doch staatlichen Maßnahmen und nicht den singulären Maßnahmen der Stromverbraucher. Umlagen und Abgaben machen für die Industrieunternehmen der beiden höchsten Verbrauchskategorien in Deutschland 2,75 Cent aus (Abbildung 3). Müssten diese nicht mehr von den Stromverbrauchern finanziert werden, könnte dadurch der Strompreis für die stromintensivsten Unternehmen um etwa ein Fünftel sinken. Mittel- bis langfristig muss zur nachhaltigen Senkung der Strompreise das Stromangebot wieder erheblich und in technologieoffener Weise ausgeweitet werden. So sollte auf den Weiterbetrieb von Kohlekraftwerken gesetzt werden, solange die Höhe der Emissionszertifikatpreise dies wirtschaftlich erlaubt. Gleiches gilt für die Kernenergie, wenn sich diese, wie von einigen Studien nahegelegt, auch betriebswirtschaftlich rentiert.

Quellen

Abbildung 3:

Eurostat (2026b) Electricity prices components for non-household consumers – annual data (from 2007 onwards) (nrg_pc_205_c). Eurostat: Amt für Statistik der Europäischen Union, Luxemburg

Abbildung 2:

Abbildung 5:

Abbildung 6:

Eurostat (2026c) Gas prices components for non-household consumers – annual data (from 2007 onwards) (nrg_pc_203_c). Eurostat: Amt für Statistik der Europäischen Union, Luxemburg

Abbildung 7:

Eurostat (2026d) Gas prices for non-household consumers – bi-annual data (nrg_pc_203). Eurostat: Amt für Statistik der Europäischen Union, Luxemburg

Link zur Originalveröffentlichung.

Ähnliche Nachrichten

Jedes Mal wenn der Spitzenkandidat der CDU Sachsen-Anhalt SVEN SCHULZE den Mund aufmacht, gewinnt die AfD Prozentpunkte hinzu.

Weiterlesen

Wir richten uns an Initiativen, freie Medien, Telegram-Kanäle, engagierte Bürger und alle Menschen, die sich für Recht, Freiheit und demokratische Selbstbestimmung einsetzen.

Weiterlesen

Tim Kellner hat in einem kürzlichen Interview, alle BRD-Bürger vor den neuen Plänen der Bundesregierung gewarnt!

Weiterlesen

Friedensgericht Brixen verhandelte Rekurs gegen Strafe – Verteidigung rügt Eingriff in die Meinungsfreiheit und Missachtung der Sprachbestimmungen

BRIXEN/VINTL – Am heutigen Mittwoch, den 27. Mai 2026, fand vor dem Friedensgericht Brixen die Erstverhandlung im Verfahren gegen die verhängte Verwaltungsstrafe wegen des Schriftzugs „TIROL“ auf einer privaten Wiese in Vintl statt. Das Urteil soll am 14. Oktober 2026 um 11.45 Uhr verkündet werden.

Weiterlesen

In diesem Video erfahren sie, welche Person hinter dem Kanal "Nachrichten Aktuell" steckt.

Weiterlesen

In Niedersachsen sind bereits sechs AfD-Kommunalpolitiker von Wahlbehörden auf ihre Verfassungstreue überprüft worden. Nun trifft es mit Martin Sichert erstmals einen bundesweit bekannten Bundestagsabgeordneten.

Weiterlesen

„Statt auf starre Grenzwerte bei Fläche und Einwohnerzahl zu setzen, sollten wir die Sonntagsöffnung personalloser Märkte dort ermöglichen, wo sie dem tatsächlichen Bedarf der Menschen vor Ort entspricht.“

Weiterlesen

Der 1. Juli markiert einen neuen Tiefpunkt. Während wir in Bayern die Ärmel hochkrempeln, zieht man uns das Geld aus der Tasche.

Weiterlesen

In diesem Video spricht Alex über die Digitale ID.

Weiterlesen
Souveränität beginnt mit der Fähigkeit, Nein zu sagen

Durch wessen Augen sieht Deutschland die Welt – und wer bestimmt, was als deutsches Interesse gilt? Sieben Parteien, eine Frage – und sieben sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, was deutsche Souveränität heute überhaupt bedeutet. Der Vergleich zeigt: Gestritten wird längst nicht nur darüber, wie selbständig Deutschland ist. Umstritten ist bereits, wer im entscheidenden Augenblick das letzte Wort haben soll – Berlin, Brüssel oder das Bündnis.

Wenn der Wähler die „Falschen“ wählt: Sachsen-Anhalt und die Grenzen der Demokratie

Am 6. September könnte Sachsen-Anhalt zum politischen Testfall für die Bundesrepublik werden. Die AfD liegt in den Umfragen bei über 40 Prozent, und die Möglichkeit einer von ihr geführten Landesregierung ist längst nicht mehr theoretisch. Doch während die Wähler noch nicht abgestimmt haben, bereiten sich Berlin und andere Länder bereits auf genau diesen Fall vor: Wie gehen staatliche Institutionen mit einer demokratisch legitimierten Landesregierung um, der sie politisch und sicherheitspolitisch womöglich nicht zu vertrauen bereit sind?

Der Thüringer Knoten: Vier Akteure und die Grenzen der Brandmauer

In Thüringen geht es längst nicht mehr nur um Mario Voigts Doktortitel oder um den öffentlichen Schlagabtausch zwischen Sahra Wagenknecht und Björn Höcke. Der Konflikt berührt eine grundsätzlichere Frage: Wer bestimmt in einer parlamentarischen Demokratie, welche Mehrheiten politisch zulässig sind – die Wähler oder die Parteizentralen? Im Zentrum stehen vier Akteure, vier Interessen und eine Parteienordnung, die zunehmend mit ihren eigenen Abgrenzungsregeln in Konflikt gerät.